Einige erprobte Naturbau-Techniken
Natürlich entwickelt sich jeder Bau im Detail wieder anders, in Abhängigkeit der Materialien, der Menschen und des Ortes. Und doch gibt es einige Techniken, die ich schon mehrfach angewendet und verfeinert habe. Um dir eine Ahnung zu geben, was so alles möglich ist. möchte ich dir hier einige davon vorstellen.
Neben den unten etwas ausführlicher beschriebenen Bautechniken für Naturbau-Wände können natürlich auch herkömmlichere Bauweisen genutzt werden, zum Beispiel Mauern aus Trockensteinen oder auch mit Mörtel (oft im Erdnahen Bereich hilfreich), oder auch mal mit alten Backsteinen oder Ziegeln.
Oft gehen bei Naturbauten die Wände auch fliessend in die Decke über. Je nach Wunsch und Bauweise kann ein Lehmputz aufgebracht werden.
Flechtwerk
Sehr flexibel, mit diversen Variationen, ergeben sich organische Formen wie von selbst.
Ob parallele Stangen in festen Abständen am Tragwerk festgebunden werden oder etwas flexiblere Ruten wie bei einem Korb geflochten oder alles wild durcheinander, das Flechtwerk bildet die Grundform der Wand. Es kann zwischen zwei Flechtschichten mit unterschiedlichen Materialien gedämmt werden. Optional sorgt ein darauf aufgetragener Putz für eine schöne Optik, Luftdichtigkeit und angenehmes Raumklima. Es kann aber auch mit Stoff oder Papier abgedichtet werden oder bei dichtem Flechtwerk bzw. mit dem geeigneten Dämm-Material auch gar nicht.
Cordwood
Cordwood ist eine alte Bautechnik aus Grossbritanien, bei der gleichlange Holzruggel, oder auch Scheite, als Bausteine benutzt werden. Dazwischen wird mit Lehm-Mörtel aufgefüllt. Denkbar einfach, für gerade wie auch geschwungene Wände, sehr robust und mit Wärmedämm-Eigenschaften vergleichbar mit einer Massivholz-Wand. Und je nach Wahl des Holzes sehen die sichtbaren Stirnseiten natürlich auch schön dekorativ aus.
Ein weiterer Vorteil ist, dass sich daran leicht alle möglichen Dinge befestigen lassen.
Eine Variante ist hier, teilweise oder auch ausschliesslich, (verschiedenfarbige) Glasflaschen oder Glas-Bausteine einzubauen. Die sogenannte Bottle-Wall wird oft in Earthships verwendet und eröffnet neue Design-Optionen und bringt Licht in den Raum.
Stacked Wall
Die Stacked Wall ist eine super-einfache Bauweise aus dem Survival-Handbuch. Zwischen im Abstand von 10-20cm senkrecht in den Boden geschlagenen Stangen wird mit allem was man im Wald so findet aufgefüllt: Totholz, Laub, Moos etc.
Je nachdem, wieviel Laub man verwendet, können auch hier richtig gute Dämmeigenschaften erreicht werden, die sich irgendwo zwischen Strohballen und Massivholz bewegen.
Wenn man genügend sauber arbeitet, kann diese Wand sehr leicht mit Lehm verputzt werden. Dadurch kriegt sie einen anderen Look und wird winddicht.
Strohlehm massiv - Cob & Bricks
Man kann Wände auch aus massivem Strohlehm herstellen. Entweder man schichtet den Strohlehm freistehend auf, oder zwischen Schalungen wie bei Beton. Oder man fertigt zuerst Lehm-Ziegel, die dann wie Backsteine verbaut werden.
Diese Wände haben keine sehr hohen Dämmwerte und es wird sehr viel Lehm benötigt, was ohne maschinelle Hilfe sehr aufwändig ist. Dafür speichern sie viel Wärme und sind extrem robust und langlebig.
Lehmputz
Ein Lehmputz macht aus einer wilden Holzwand eine gleichmässige glatte Oberfläche und macht eine Wand winddicht und hält «Ungeziefer» draussen.
Meist wird für den Grundputz eine 2-3cm dicke Strohlehm-Schicht aufgetragen. Wenn eine sauberere Oberfläche gewünscht ist, kann darauf eine 5-10mm dicke Schicht Feinputz aufgetragen werden. Für den Feinputz wird dem Lehm ein grosser Anteil Sand zugefügt, damit es keine Risse gibt. Zudem kann mit Zusätzen wie Quark, Kuhmist, Weizenkleie und Pferdehaaren die Festikeit der entstehenden Oberfläche verbessert werden.
Der Lehmputz bietet unzählige kreative Möglichkeiten. Es können verschiedene Lehmfarben verwendet werden oder auch mit Ölfarben ganze Gemälde entstehen. Aus Strohlehm lassen sich erstaunliche Reliefs modelieren und Muscheln oder Keramikscherben können wundervolle Mosaiks bilden.
Das Fundament soll das fertige Haus tragen und vor Wasser schützen. Je nach geplanter Lebensdauer reicht ein einfacher Entwässerungsgraben oder werden grössere Aushubarbeiten und Entwässerungs-Methoden nötig.
Oft genügt ein gut bemessener Entwässerungsgraben und eine dicke Schicht Kies, um Wasser fernzuhalten und das Haus auf tiefem, frostsicheren Boden zu tragen.
Eine andere Variante ist der Bau auf Stelzen, besonders natürlich an feuchten Standorten. Dabei kommt der Wahl und Vorbehandlung des Holzes besondere Bedeutung zu.
Als Wandfuss lohnt es sich, feuchtigkeitsbeständiges Material wie Steine oder zumindest Eichen oder Robinienholz zu verwenden.
Die Natur bietet eine grosse Vielfalt an Materialien für die Dach-Eindeckung. Im Survival-Bereich wird oft einfach mit einer bis zu Meterdicken Laubschicht gearbeitet. Alle möglichen Ruten und Halme, von Weide über Schilf und Gras bis zu Brennnesslen und Goldrute können verwendet werden und halten, gut gebaut und mit genügend Dachneigung mehrere Jahre bis Jahrzehnte.
Noch langlebiger, und arbeitsaufwändiger, sind Dächer aus (selbst gefertigten) Holzschindeln. Alternativ können auch Rindestücke verwendet werden.
Eine weitere schöne und zuverlässige Dach-Variante ist natürlich ein begrüntes Dach. Dafür wird dann allerdings eine Teichfolie nötig.
Leichter und schnell gebaut sind Dächer aus Planen aus Plastik oder Bauwoll-Mischgewebe, ähnlich wie sie bei Jurten verwendet werden.
Bei Verwendung von dichten Folien muss unbedingt auf genügend Hinterlüftung geachtet werden, sonst gibts Probleme mit Kondensfeuchtigkeit.
Je grösser ein Haus, desto sorgfältiger müssen die tragenden Strukturen für Wände und Dach bemessen werden. Bei kleinen Gebäuden von 2-3m Durchmesser reichen meist genügend dicke Haselruten, die in Form von Bogen ganz schön viel tragen können.
Einige Wände können auch selbsttragend gebaut werden, wie Strohballen, Cob oder Cordwood.
Ansonsten werden massivere Tragwerke aus Holz verwendet, ob aus der Sägerei oder wild, zwischen die dann verschiedene Wand-Varianten gebaut werden können, ähnlich wie bei einem Fachwerk-Haus.
Die Dachkonstruktion muss die Dacheindeckung und mögliche Schneelasten sicher tragen können. Bei einem begrünten Dach kommt da natürlich die Erd-Schicht dazu.
Eine einfache, schöne, freitragende Konstruktion ist das reziproke Dach, das aus langen geraden Stangen gefertigt wird und in der Mitte ein Loch, möglicherweise für ein Oblicht, offen lässt. Steilere Dächer können auch in Tipi-Manier gebaut werden. Flachere mit der Hogan-Bauweise, wo immer kleiner werdende Quadrate von Trägern vom jeweils darunter liegenden getragen werden. und vieles mehr…
Wenn man in unserem Klima ein wintertaugliches Haus baut, kommt der Dämmung natürlich besondere Bedeutung zu. Auch hier bietet die Natur wieder eine schier unendliche Vielfalt an möglichen Materialien, und sie zu finden und kennenzulernen ist zugleich Herausforderung und Wonne.
Stroh, Gras, Schilf, Laub, Farne und ähnliches haben einen hohen Dämmwert, müssen aber irgendwie zusammengehalten werden zwischen Astwerk, Flechtwänden, Stoff- oder Papierlagen oder ähnlichem.
Alternativ können auch käufliche natürliche Materialien wie Wolle oder Holzwolle mit verwendet und kombiniert werden.
Gut zu wissen ist, dass auch massives Holz, wie bei einer Stacked Wall oder Cordwood, sowie auch Strohlehm noch dämmend wirken, und durch ihre zusätzliche Masse-Trägheit Wärme auch nur langsam wieder abgeben.
Für den Boden gibt es selbsttragende Dämmmaterialien wie Blähton, Perlit oder Kork, die aber gekauft werden müssen. Alternativ kann Wildholz, Rinde (z.B. Robinie ist wie Kork), Holzschnitzel verwendet werden. Oder es kann ein tragender Holzboden über eine beliebige nicht tragende Dämmschicht gebaut werden.
Genau wie die Dämmung ist eine Heiz-Möglichkeit für den Winter in unseren Breiten natürlich unverzichtbar. Klar kann mit Gas, Strom oder auch Kerzen geheizt werden, aber das Holzfeuer ist natürlich erste Wahl.
Eine etwas aufwändigere, aber sehr effiziente Ofen-Variante ist der «Rocket Masse Heater». Durch eine spezielle Bauweise wird schon im Ofen ein starker Zug erzeugt, der ein langes waagrechtes Ofenrohr ermöglicht, wo die Wärme an die Lehm-Speichermasse abgegeben wird.
Aber auch ein einfacher Ofen komplett aus Lehm kann die Kraft des Feuers mittels Zügen oder langem Ofenrohr effizient nutzen, wie bei den altbekannten Kachelöfen. Richtig gebaut kann der Ofen auch zum Kochen und Backen verwendet werden.
Selbst Ofenrohre können aus Ofenlehm, Lehmziegeln oder vorgefertigten Strohlehm-Rohren gefertigt werden.
Und je nach Gebäude kann natürlich auch ein Kamin oder ein offenes Feuer zum Einsatz kommen. Diese heizen weniger effizient, dafür kann man am offenen Feuer sitzen und kochen.



































